Freitag, 5. Mai 2017

Fahrradfrühling, gibt es so etwas noch?

Erinnerungen verblassen, besonders die Erinnerungen, die negative Eindrücke hinterlassen haben. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass wir meinen, früher war alles viel besser. Früher da hatten wir noch richtige Jahreszeiten, mit kalten Wintern mit Eis und Schnee, blühende Wiesen und Vogelgezwitscher im Frühling, heiße Sommer, die Barfußlaufen im heißen Sand am Strand unmöglich machten und goldene Herbsttage mit bunten Wäldern und, und, und.

An Frühlingstage mit Ostwind, Regen- und Graupelschauer und Tageshöchsttemperaturen von 6 Grad Celsius Ende April und Anfang Mai, kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Und genau da liegt unser "Denkfehler" bzw. genau da versagt unser Erinnerungsvermögen. Wir können und wollen uns auch gar nicht erinnern, jedenfalls nicht an die schlechten, miesen, fiesen Tage mit Kälteeinbrüchen und "Schietwetter". 


Ich habe gerade eine Diskussion im Radforum verfolgt, die die augenblickliche Wetterlage zum Thema hatte. Da hat mir ein Beitrag gefallen, den ich hier inhaltlich sinngemäß wiedergebe: Je länger diese Kälteperiode anhält, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie bald vorüber ist. Also: freuen wir uns auf fröhliche Radeltage, die ganz sicher kommen werden. Wir stehen kurz davor.


Und ehe wir uns versehen, sieht die Welt des Tourenfahrers und Reiseradlers wieder so, oder vielleicht so ähnlich aus:
 

Putzt schon mal eure Räder, macht schon mal Pläne, und wenn ihr nicht wisst wohin, dann kommt doch mit zum Forumstreffen der Reiseradler in Erfurt. (anklicken bitte) Ich werde da sein. 

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Montag, 24. April 2017

Elberadweg von Wittenberge nach Dresden


Vorbemerkung:

Der Frühling lockt die Menschen hinaus in die Natur. In diesem Jahr werden wir schon sehr zeitig von angenehmen Temperaturen verwöhnt. Der Winter hat mir ausreichend Zeit gelassen, nach Videos auf YouTube von Radreisenden zu suchen und in einschlägigen Internetforen zu lesen, über Touren in  mir unbekannte Regionen. Jetzt hält mich nichts mehr auf. 


Er soll ja einer der beliebtesten Radwege in Deutschland sein. Unzählige Radwanderer waren bereits auf ihm unterwegs. Der Elberadweg erhält besonders in Ferienzeiten großen Zuspruch. Kein Wunder, er ist zumindest in Deutschland ohne nennenswerte Steigungen und damit beliebt bei Familien mit Kindern. Auch wenn noch keine Saison ist, das schaue ich mir doch mal an.


Viele Radreisende starten an der Quelle, in Spindlermühle im Riesengebirge in Tschechien und fahren die gesamte Strecke bis zur Mündung, bis nach Cuxhaven. Ich begnüge mich mit einem Teil des Weges und nehme am 18. April einen frühen Zug von Lübeck nach Wittenberge. Dort beginnt meine 5-tägige Radreise, deren Ziel die Stadt Dresden sein wird. So ist der Plan.  

Ursprünglich wollte ich nach Rügen, auf der Insel einmal an der Küstenlinie entlang radeln. Das habe ich aber angesichts der vorhergesagten Temperaturen kurz vor dem Start verworfen. Und da Wind aus westlicher Richtung angesagt wird, entscheide ich mich für den Elberadweg. Es geht los.

Das ist die geplante Strecke. Sie führt mal links, mal rechts der Elbe entlang.

Mein Tipp: Mit einem Klick auf ein Foto öffnet sich eine Fotostrecke von höherer Qualität. Mit Esc schließt man die Fotostrecke wieder.




Vor meinem inneren Auge sehe ich eine wunderschöne Flusslandschaft.


Dienstag, 18.April 2017


Am 18. April stehe ich morgens um 06:00 Uhr am Bahnsteig. Der Zug nach Büchen rollt heran, ich steige ein und freue mich, trotz lausigen Temperaturen um die 5 Grad Celsius, auf eine schöne Tour. Das es noch kälter werden könnte sagte weder die Wettervorhersage, noch hab ich das ernsthaft in Erwägung gezogen. Dennoch hab ich das Hilleberg-Allak im Gepäck, für das neue MSR Hubba Hubba sind mir 6 Grad doch ein bißchen zu wenig. Das Umsteigen in Büchen in den EC Richtung Prag klappt störungsfrei. Insgesamt 4 Radreisende steigen hier ein. Einer hilft dem Anderen. Nach zwei Stationen muß ich in Wittenberge schon wieder raus.
08:00 Uhr, ich bin startklar. Noch schell ein Foto vom Bahnhofsgebäude und dann aber nichts wie los.




Der Bahnhof wirkt trostlos und verlassen. Weit und breit kein Mensch zu sehen. Wer soll sich am Dienstag nach Ostern, morgens um 08:00 Uhr auch auf dem Bahnhof in Wittenberge aufhalten?

Die Elbbrücke, die ich zu überqueren habe, um auf den linksseitig geführten Radweg zu kommen, finde ich schnell.





Ich habe mich für die Fahrtrichtung elbaufwärts entschieden, weil ich damit rechne, dass der Wind, der seit Tagen aus westlichen Richtungen weht, das auch weiterhin machen wird. Das war ein Trugschluss. Nach ein bis zwei Stunden Fahrzeit frischt besagter Wind auf, aber nicht aus Richtung West, sondern er kommt aus Osten. Er bringt eiskalte Luftmassen mit, die mir zu meinem Verdruss das Vorankommen ein wenig erschweren.
Auf dem Elberadweg ist zu dieser Jahreszeit nichts los. Hier beginnt, wie man mir später erklärt, die Saison erst im Mai. Es folgen ein paar Bilder von einsamen Wiesen, vom Elbstrom und Deichbewohnern.





Adebar ist auch schon da. Er wendet sich ab, sucht nach Futter... 

....während Sie sich um die Renovierung der Wohnung kümmert.


Bänke und Tisch laden zur Pause eine. Auf dem gesamten Radweg sind solche oder ähnliche Sitzgruppen in großer Zahl vorhanden.


Und kurz danach komme ich in Tangermünde an. 








Vor einem süßen kleinen Cafe bekomme ich ein großes Stück Kuchen serviert.






Blick auf die Stadtmauer, von der anderen Elbseite fotografiert.


Frisch gestärkt, und nach dem Wechsel auf den Radweg am rechten Elbufer geht es weiter. Es ist nicht mehr ganz so kalt und ich komme gut voran.




                                                         

Leider sieht der Himmel nicht ganz so vielversprechend aus.

Da ist etwas im Anmarsch



Ich schaffe es gerade noch bis Grieben, zur alten Bockwindmühle, wo ich mich unterstellen kann, als ein Hagelschauer im wahrsten Sinne des Wortes die Petersilie von Grieben verhagelt. Fotos von diesem "Ereignis" gibt es leider keine. Aber es gibt diese hier:







Schnell ist der Spuck vorbei und nach 15 Minuten bin ich auf dem Zeltplatz des  Family Camp Bittkau .  Hier baue ich bei Sonnenschein auf, koche mein Essen und verbringe eine richtig kalte Nacht. Übrigens, ich bin der einzige Gast, der ein Zelt auf dem Platz aufstellt. Warum wohl? Darüber morgen mehr. 



Heute gefahrene Strecke:  Wittenberge - Rühstädt - Werben - Arneburg - Tangermünde - bis zum Campingplatz bei Bittkau


gefahrene Distanz:                               97 km


gefahren Zeit:                                       7:09 h


Durchschnittsgeschwindigkeit:  15,2 km/h


Höhenmeter sind am Elberadweg, zumindest im deutschen Teil vernachlässigbar und werden hier deshalb nicht dokumentiert.
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Mittwoch, 19. April 2016 

Der Morgen zeigt sich in allerbester Verfassung. Die Sonne strahlt vom Himmel. Aus dem Teich steigt Nebel auf. Das Frühstück ist da eher spartanisch. 





In der Nacht Nacht gab es Frost und ich bin des öfteren aufgewacht, weil mir kalt wurde. Das ist aber schnell vergessen, wenn sich dem fröhlichen Radler so ein Panorama bietet.







Ich bin unterwegs in Richtung Magdeburg, wo die Magdeburger Halbkugeln auf den staunenden Besucher warten. Die dazugehörige Geschichte findet man hier (klick)


Vom weltberühmten Hundertwasserhaus (Grüne Zitadelle) bin ich schwer beeindruckt.





Ich wechsele die Seite, diesmal auch wieder über eine feste Brücke, werfe noch einen Blick zurück und aus dieser Entfernung erkennt man erst die Größe des Magdeburger Doms.


Weiter geht`s unter blühenden Obstbäumen auf gepflegtem Radweg entlang. Das gefallt mir. 
                                                 

Obstbaumblüte

 Der Sonnenschein trügt, auch die Obstbaumblüte gaukelt mir einen warmen Frühlingstag vor. Ein Blick auf das Thermometer zeigt die Wirklichkeit an. 6,5 Grad.


Ob Rainer hier Verwandte wohnen hat?

Hier bin ich vor 3 Jahren schon einmal entlang gefahren, allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Damals war der Radweg in schlechtem Zustand. Schön, dass man das geändert hat.




So gegen 19:00 Uhr erreiche ich die Fähre in Aken. Der Fährmann gibt mir auf meine Nachfrage drei Tipps für günstige Übernachtungsmöglichkeiten, die ich dankbar entgegen nehme.
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In Aken übernachte ich in eine kleinen, liebevoll eingerichteten Privatpension. Mit einem Döner und einem polnischen Bier stille ich Hunger und Durst. Dann geht`s unter die Dusche und dann ab ins Bett. 


Heute gefahrene Strecke: Bittkau - Magdeburg - Saalemündung - Aken
gefahrene Distanz:                             117 km
gefahrene Zeit:                                    7:38 h
Durchschnittsgeschwindigkeit:      15,8 km/h
Tourdistanz inkl. heute:                    214 km

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Donnerstag, 20. April 2017 

Das Frühstück bei Frau Stoll, in der kleinen Pension am Dreieck in Aken, war reichlich und gut. Die 37 EUR für ÜF sind gut angelegt. Ausgeschlafen, gestärkt und zufrieden geht`s weiter.




Solche und ähnliche Rastplätze finde ich in großer Zahl. Alle in sehr gutem Zustand.





Abgesehen von den niedrigen Temperaturen und leichtem Gegenwind, spielt das Wetter heute wieder seine Trümpfe aus. Inzwischen könnte ich eine Sonnenschutzcreme für das schon arg gerötete Gesicht gut vertragen.

Ich fahre an Wörlitz vorbei und  wechsele in Coswig auf das rechte Elbufer. 



Von Coswig bis zur Lutherstadt Wittenberg ist es nicht mehr weit. Der Weg führt am Elbufer durch höher gelegene und lichte Waldgebiete die den Blick auf die Elbschleifen freigeben. 



Und schon taucht sie vor mir auf, die weltberühmte Schloßkirche in Wittenberg, an deren Tür vor 500 Jahren ein gewisser Dr. Martin Luther 95 Thesen befestigte, und damit die katholische Kirche in arge Bedrängnis brachte.  Mehr dazu    hier.


Die berühmte Tür, belagert von Touristen.



                                                                                                                                                                                                                                       
         
       





Ich stelle fest, Wittenberg ist eine sehr interessante Stadt und hätte es eigentlich verdient, hier an einer Stadtführung teilzunehmen. Das machen ganz viele Leute, ich aber verzichte und radle weiter. 

Vorbildlich ausgeschilderte Umleitung



Am Elbdeich mache ich dann noch einmal eine Rast und genieße die Weite der Landschaft.


Ganz in der Ferne, direkt am Flussufer, entdecke ich einen einsamen Radfahrer. Ich fühle mich trotz der kalten Temperaturen wohl. Wälder, Felder und Wiesen sind grün, ein Grün, dass nur der Frühling schaffen kann. Dazwischen immer mal wieder ein Rapsfeld, das sich auch schon zur frühen Blüte anschickt. Gänseblümchen, Löwenzahn und in der Luft, hoch oben singt die Lerche. So Vieles erinnert mich an Tage meiner Kindheit.


Um 17:00 Uhr komme ich in Klöden an, finde einen Zeltplatz, kaufe Lebensmittel im örtlichen Konsum ein. koche, esse, dusche und gehe schlafen.

Heute gefahrene Strecke:  Aken - Dessau - Coswig - Wittenberg - Elster - Klöden


gefahrene Distanz:                            82,5 km
gefahrene Zeit:                                  5:49 h
Durchschnittsgeschwindigkeit:    14,18 km/h

Tourdistanz inkl. heute:                  297 km

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Freitag, 21. April 2017


Obwohl ich den Wecker auf 7:00 Uhr gestellt habe, krieche ich erst um 7:45 Uhr aus dem Zelt. Ich habe gut geschlafen, nicht gefroren, die Temperatur ist leicht angestiegen. Auf der Wiese ist weder Raureif noch Taufeuchte. Ein leichter Wind geht. So kommt das Zelt mal trocken in den Zeltsack und um 8:45 Uhr starte ich in Klöden.
Schon nach 12 km wechsele ich erneut die Elbseite.  Wieder mit einer Gierseilfähre

Kirchturm von Pretzsch

Die Landschaft ist unverändert schön. Hier auf den Elbwiesen scheint die Welt noch in Ordnung. Es gibt sogar noch freilaufende Rinderherden.



In Dommitzsch gibt`s Frühstück (Brötchen mit Salami und 2 mal Kaffee).


Torgau mit Schloss Hartenfels übt auf mich eine große Anziehungskraft aus, aber ich habe leider keine Zeit für diese schöne Renaissancestadt. Um 14:00 Uhr stehe ich an der Brücke, auf der sich sowjetische und amerikanische Soldaten im April 1945 die Hände schütteln, Zigaretten austauschen und sich gegenseitig auf die Schultern klopfen. Die Wehrmacht des deutschen Reichs ist besiegt. Für die Historiker ist diese Begegnung das Ende des 2. Weltkrieges.




Kurz bevor Sowjets und Amerikaner sich hier begegnen, haben deutsche Pioniere noch schnell die Brücke gesprengt. 






Das war`s dann auch schon mit Torgau. Auf dieser Tour denke ich des öfteren, dass man mehr Zeit einplanen muss, wenn man auf Radreise geht. Ich will doch gar kein Kilometerfresser sein, Stadtbesichtigungen würden mir doch auch gefallen. Warum nur, nehme ich mir immer so lange Strecken für so wenige Reisetage vor? Das muss anders werden.



Viel Schiffsverkehr gibt es hier an der Oberelbe nicht mehr. Also halte ich an, um diesen Touristendampfer zu fotografieren.



Da kommt mir dieser Rastplatz gerade recht. Also: Kocher raus, Kaffe kochen, Brötchen belegen und Vesperpause geniessen. Das Wetter spielt mit. und so muss ich nicht einmal unter`m Dach Platz nehmen. 
Das gefällt mir.                                                                                                                                                                                                     


Der Touristendampfer, nur spärlich mit Touris gefüllt, zieht an mir vorbei. Im Sommer sitzen die Menschen alle an Oberdeck. draußen, um über den Deich gucken zu können. Draußen hab ich bei diesem Dampfer nur einen einsamen Raucher stehen sehen.

Als es weiter geht, sehe ich noch ein große Herde Schafe. Sie scheinen unzufrieden und blöken ununterbrochen. Ob es an den beiden Ziegen liegt, die sich da untergemischt haben? Die widerum scheint das überhaupt nicht zu stören. 


Gegen 17:30 Uhr bin ich dann in Riesa. Die Touristeninformation nennt mir ein Pension, in weniger als 800 m Entfernung. Ich entscheide mich, hier zu übernachten, da ich morgen nur  noch ca 60 km bis Dresden zurücklegen muss. Das passt. Abends esse ich in einem "historischen" Restaurant das durch eigenwillige Dekoration aus der Kaiserzeit glänzt. Ich bin der einzige Gast, esse ein Schnitzel, trinke ein Bier, bezahle und gehe schlafen. 

Heute gefahrene Strecke: Klöden - Dommitzsch - Torgau - Belgern - Strehla - Riesa


gefahrene Distanz:                             89,6 km
gefahrene Zeit:                                    5:47 h
Durchschnittsgeschwindigkeit:      15,45 km/h
Tourdistanz inkl. heute:                    387 km


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Samstag, 22. April 2017 


Um 08:00 Uhr ist Frühstückszeit. Dann bin ich wieder auf dem Elberadweg und freue mich über angenehme 12 Grad, westliche Winde und lockere Bewölkung.

Über die beginnende Rapsblüte hatte ich ja schon geschrieben. Hier sind noch ein paar Fotos. Ich liebe blühende Rapsfelder, besonders dann, wenn die Sonne drauf scheint.




Ich bin unterwegs nach Meissen. Die Landschaft wird abwechslungsreicher. Langsam, aber stetig kommen Hügel und Steilufer ins Spiel. Und schon sichte ich den ersten Sandsteinfelsen.


Ich hoffe doch sehr, dass diese dunklen Wolken bis Dresden dichthalten.




Niemals und nirgendwo habe ich so viele Störche gesehen, wie am Elberadweg.


Die Biber waren, wie man sieht, auch gut vertreten, ließen sich aber nie sehen. Angenagte Bäume und große Stämme mit diesen typischen Merkmalen habe unterwegs mehrmals angetroffen. Einen der Verursacher  gab es nur auf einer Brückenmalerei zu sehen.




Noch ein Brückengemälde


Die Klosterruine am Ortsrand von Meissen.

 Meissen, die Stadt des Porzellans. Interessierte Leser können sich hier über die Geschichte informieren.



Die ersten Weinberge kommen in Sicht.

Hier will ich mir eigentlich eine Pause gönnen. Ich habe ja Zeit genug. Mein Zug geht erst um 17:05 Uhr ab Dresden. Hinter der Mühle gibt es ein Restauration und einen kleinen Biergarten. Leider ist wegen des Andrangs (ich glaube es waren zwei Busladungen voller Tagestouristen) gar nicht daran zu denken, hier in Ruhe ein Bierchen zu sich nehmen zu können.


So gegen 13:30 Uhr, komme ich im Zentrum der Stadt Dresden an. Es ist schon ein imposantes Bild, die goldenen Kuppeln und Spitzen der großen historischen Gebäude in der Sonne leuchten zu sehen. Ich fahre kreuz und quer durch die Altstadt, halte immer wieder an, gehe zu Fuß, um zu fotografieren. Es gibt unendlich viel zu sehen. Die Stadt ist voller Menschen, obwohl der Himmel sich langsam zuzieht. 
Ich verzichte auf die Beschreibung der einzelnen Bilder, zum Einen weil ich selbst nicht genau weiß, wie die Gebäude heißen und welche Bedeutung sie haben. Die Semperoper kann ich aber bestimmen und setze voraus, dass das jeder kann. Dresden ich komme wieder, zusammen mit meiner Frau,  dann aber für länger als ein paar Stunden. Versprochen. 




                                 











Zum Abschluß gönne ich mir eine Lammkeule und ein Bier.




Heute gefahrene Strecke:  Riesa -  Chemnitz  -  Dresden


gefahrene Distanz:                           59 km
gefahrene Zeit:                                  4:10 h
Durchschnittsgeschwindigkeit:    14,9 km/h

Tourdistanz inkl. heute:                  447 km



Mein persönliches Fazit:

Für Liebhaber von Flußlandschaften ist der Elberadweg ein kleines Paradies. Für mich bietet er im unteren Teil, und da beziehe ich auch die gesamte Unterelbe ab Hamburg mit ein, nicht besonders viel. Das liegt vielleicht daran, dass mir die Elbe seit meiner Kindheit vertraut ist. Ich bin in der Nähe der Elbe geboren. Interessant wurde es für mich mit Ausnahme von Magdeburg erst ab Torgau. Aber so hat jeder andere Vorstellungen und Erwartungen.

Im frühen Frühjahr werde ich nicht noch einmal auf so eine Tour gehen, und schon gar nicht mit dem Zelt im Gepäck. Man ist da zu sehr den möglichen Wetterkapriolen ausgesetzt. In den ersten beiden Tagen meiner Tour habe ich mich immer wieder gefragt, warum der Elberadweg zum beliebtesten Radweg Deutschlands gewählt wurde. Für mich gibt es schönere Radwege. Wie gesagt, das ist meine ganz persönliche und subjektive Meinung. Damit will ich den Elberadweg keineswegs schlecht reden. Ganz sicher hat er auch seine Reize. Ich habe diese Tour auch genossen, aber auf meine ganz eigene Art und Weise. Für mich stand das Draussensein mehr im Vordergrund, als die Besichtigung von Kulturschätzen entlang des Weges. Und mit den Herausforderungen, die Wind und Wetter an mich stellten, war ich gut beschäftigt. Das ist für mich auch eine Art von Genuss.

Die Radwege sind überwiegend in gutem und sehr guten Zustand. Gelegentlich muss man auf Landstrassen fahren. Das ist aber leicht zu verschmerzen, da hier  kein starkes Motorverkehrsaufkommen zu verzeichnen ist. Wie das zur Hochsaison hier aussieht, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Die Kennzeichnung des Radweges ist hervorragend. Sogar Umleitungen sind ausgeschildert. Wer stur auf dem Elberadweg bleiben will, kann auf Navigationshilfen gut verzichten. Eine Übersichtskarte reicht völlig aus. Das ist längst nicht überall der Fall. Was mich geärgert hat, ist, dass ich zwei mal an Fähren stand und lesen durfte, dass die Fähre zur Zeit in der Werft ist, oder aus anderen Gründen nicht betriebsbereit ist. Das hätte man schon vorher deutlich kennzeichnen müssen. So kam ich z.B. nicht nach Havelberg, wo ich gern hingefahren wäre.

Der Radreisende sollte, sofern er sich ausser für die Natur auch noch für die Kultur interessiert, viel Zeit nehmen. In den Städten an der Elbe gibt es unglaublich viel zu sehen. Allein in Dresden kann man zwei Tage verbringen, und hat trotzdem nur einen Teil der Kulturschätze bewundern können.

Ein Wort noch zur viel diskutierten Hauptwindrichtung: Man kann sich auch darauf nicht verlassen. Ich hatte mit Wind aus westlichen Richtungen gerechnet und traf  an 3 von 5 Tagen auf eisig kalten Wind aus Ost. Wer die grobe Richtung vom Wind abhängig macht, kann Wetten abschließen. Die Chancen stehen zwar 70 zu 30 für Westwind, verlässlich ist das aber keineswegs. Ich würde auch nicht wieder gegen die Stromrichtung, also in Richtung Quelle fahren. Schon allein deshalb nicht, weil man, wenn das Bikeline-Radtourenbuch genutzt wird, immer in umgekehrter Reihenfolge und Richtung denken muss. Das fällt mir schwer, anderen vielleicht auch. Und auf den Wind ist, wie schon gesagt, kein Verlass. 

Wenn euch dieser Bericht über den Elberadweg gefallen hat, würde ich mich genau so freuen, wie über Kritik, Anregungen und sonstige Kommentare, die man hier unten anbringen kann. 
Vielen Dank für das Durchhaltevermögen, wenn ihr bis hier hin mitgelesen habt.

Euer Lübscher Biker Ingo.

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